Jenni
Ich wurde als Fragezeichen geboren. Ausgesetzt, später adoptiert. Wer Mangel als erstes erlebt, wächst naturgemäß entwurzelt auf, mit dem angeborenen Recht zu hinterfragen. Offenheit ist uns fremd. Aufgewachsen in einer inneren Welt, in der das Hinterfragen den Ton angab, wurde ich zur Beobachterin menschlichen Verhaltens, meines eigenen und des Verhaltens meiner Mitmenschen. Ich versuchte zu verstehen, warum wir so hart urteilen, schlecht übereinander reden, nur um später so zu tun, als hätten wir es nicht getan. Warum das Gesagte nicht in unseren Augen zu lesen war. Meine frühe Kindheit verbrachte ich größtenteils allein, vielleicht auch nur einsam, was meine Rolle als Beobachterin verstärkte. Meine ersten Lehrer im Leben waren meine Eltern. Zwei außergewöhnliche, ganz normale Menschen, die mich innig liebten und immer noch lieben. Sie lehrten mich die wertvollste Lektion: dass Liebe grenzenlos und bedingungslos sein kann. Mit 22 Jahren nahm ich an meinem ersten Meditationsretreat teil und verstand, dass ich mit meinem Schmerz nicht allein war, dass ich letztendlich für mein eigenes Glück verantwortlich bin. Viele Jahre später habe ich vieles verinnerlicht, manches verworfen und manchmal wieder verworfen, doch ich bin nach wie vor fasziniert davon, was, warum und wie wir etwas tun und was dann geschieht. Das Leben ist ein offenes Unterfangen, das sich mit meinem wachsenden Bewusstsein immer weiter ausdehnt. Unendlich.
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